Raimond´s
Grace

#001 – Wheels

Wenn Youngtimer Oldtimer fahren, machen sie dies meist mit Absicht. So auch Raimond Heinzl, der als erstes verständliches Wort ein leidenschaftliches 'Auto' vernehmen ließ (attestiert von seinen Eltern).

Aus dem ursprünglichen Berufswunsch, Kinder- oder Tierarzt zu werden, ist zwar eine völlig andere Art des Gelderwerbs geworden. Doch die Affinität zu Autos – am besten alten – ist nicht nur geblieben sondern mit den Jahren noch gewachsen. Vor allem, da Raimond das Glück einer (fast) ebenso autoaffinen Gemahlin hat. Wir hätten da mal ein paar Fragen:
GM / Wann begann Deine Sammelleidenschaft?

RAIMOND / Die Lust auf Oldtimer begann, als ich 16 war. Ein Freund kaufte sich damals einen hellblauen 1958er Cadillac. Mein erstes Auto war ein 1957er Opel Olympia Caravan. Und danach kamen dann noch einige ausgefallene, heute schon sehr seltene Klassiker.

LEIDEN
SCHAFFT
AUTO

GM / Wie viele Autos hattest Du schon? Wie viele besitzt Du heute?

RAIMOND / Ich schätze, dass ich bis heute rund 100 Fahrzeuge besessen habe. Vom Opel Rekord bis zum Diplomat V8, vom Ford Escort RS2000 über Ford Taunus bis hin zu einem ehemaligen Rallyefahrzeug, einem Ford Capri aus den 70ern. Und drei Porsche 911. Aktuell sind es fünf klassische historische Fahrzeuge.
GM / Welcher von Deinen akutellen Schätzen ist Dein Favorit?

RAIMOND / Schwer zu sagen, die haben alle Ihre Besonderheiten. Aktuell fahre ich unglaublich gerne mit meiner Jaguar 12-Zylinder Limousine. Schon die Bezeichnung 'Daimler Double Six' zeigt: Das ist nicht irgendein Auto. Aber ebenso freue ich mich jedes Mal, wenn ich meinen wertvollsten Wagen, den Jaguar XK 120 Roadster aus der Garage hole. Die Grace, so heißt unser XK, ist wohl der Favorit. Macht unendlich Spaß und die Geschichte zu dem Modell ist ja auch besonders. Es war damals mit einer Höchstgeschwindigkeit von rund 200 km/h, also 120 Meilen, das schnellste Serienfahrzeug der Welt. Und ist in seiner Form einfach nur bildschön. Der kraftvolle 3,5-Liter Reihensechszylinder ist ein echtes Kunstwerk und war seiner Zeit damals weit voraus. 
​Als Jaguar mit einem nicht fahrbereiten Prototypen, auf die schnelle zusammengedengelt, auf der London Motor Show 1948 den Wagen der Welt präsentierte, waren gerade einmal 240 Fahrzeuge geplant. Eben genau so viele, wie man brauchte, um die Zulassung für Rennen zu erhalten. Das Publikum war so begeistert, dass man bis zum Ende der Bauzeit 1954 beeindruckende 7.373 Exemplare verkaufte. In Deutschland kostete der Wagen übrigens rund 21.000 DM, also knapp 4 Mal so viel wie ein VW Käfer.

KUNSTWERK
XK120

GM / Von welchem Fahrzeug träumst Du noch?

RAIMOND / Von vielen. Was ich aber sicher irgendwann anschaffen werde, ist ein Sportwagen aus der Vorkriegszeit. Einen Riley von 1936 zum Beispiel. Das ist wieder eine ganz andere und komplett eigene Liga. Damals war die Automobilindustrie noch am Entwickeln, es wurde definitiv alles in Handarbeit gebaut. Holzrahmen und andere, verrückte Ingenieursleistungen wohin man schaut. Die Krönung für mich wär ein 1929er Bentley 4,5-Liter Open Tourer. Wenn man sowas im Detail anschaut, anhört... Gänsehaut pur. Da muss ich allerdings noch sehr lange sparen.
GM / Autos sammeln und instand zu halten ist vermutlich recht teuer, oder geht das auch anders?

RAIMOND / Es ist sicher kein Hobby für Sparfüchse. Wenn man gar nichts selber machen kann, dann kann das schon ins Geld gehen. Ich versuche so viel wie möglich selber zu machen. Kundendienste sowieso und Reparaturen traue ich mich inzwischen nahezu alle zu machen. Außer tatsächlich Überholungen von Motor und Getriebe. Wichtig ist immer ein gutes und funktionierendes Netzwerk. Ein angenehmer Nebeneffekt kann bei der Oldtimerei auch die teilweise enorme Wertentwicklung mancher Modelle sein, sollte aber bei der Kaufentscheidung nicht im Vordergrund stehen.
GM / Ihr fahrt auch bei Klassikausfahrten und Oldtimer Ralleys mit. Bei welcher wärt Ihr gerne mal am Start?

RAIMOND / Ganz klar die Mille Miglia. 1.000 Meilen von Brescia nach Rom und zurück. Ein unglaubliches Spektakel!

GM / Habt Ihr beiden eine Lieblingsroute?

RAIMOND / Da gibt es eigentlich keine spezielle. Wir haben die Fränkische Schweiz und das Altmühltal vor der Haustüre. Da gibt es extrem viele, sehr schöne Streckenabschnitte. Es macht eigentlich immer und überall Spaß.
GM / Deine Frau und Du stehen ja auch auf US-Klassiker. Wie kam es zur gemeinsamen Leidenschaft und wie lebt Ihr sie aus?

RAIMOND / Wir haben vor einigen Jahren ein 1955er Chrysler Coupé in den USA gekauft. Dieses Modell hat mir schon immer gefallen und meiner Frau spätestens als es hier war. Relativ schnell kam die Entscheidung zur Vollrestauration der Karosserie. Gemeinsam haben wir in mühevoller Arbeit den Wagen komplett zerlegt, den alten Lack komplett bis aufs Blech abgebeizt und neu aufgebaut. Das ist was Besonderes, wenn an jedem Teil des Autos die eigenen Fingerabdrücke sind. Dieses Auto zu bewegen, die Blicke der Passanten, die Freude die man sich selbst und den Leuten damit macht... So ein seltenes Fahrzeug zu zeigen ist für sich schon super. Das ganze dann aber noch in den passenden Klamotten aus den 50ern! Unvorstellbar, was man da für einen Spaß hat. Und den Alltag vergisst man einfach mal.
GM / Die Fahrzeuge sind sicher reparaturanfällig und aufwendig zu warten. Machst Du das selber? Kannst Du jemanden empfehlen?

RAIMOND / Grundsätzlich gilt: Wenn die Fahrzeuge regelmäßig gewartet und vor allem auch bewegt werden, bleiben größere Reparaturen eigentlich aus. Die Autos nicht zu fahren ist der Fehler, den viele Besitzer machen. Ich warte alle Autos komplett selber. So weiß ich, dass es ordentlich gemacht ist. Empfehlungen abzugeben ist schwierig. Es treiben sich inzwischen leider sehr viele schwarze Schafe in der Szene herum, die viel Schaden anrichten. Ich würde mir wünschen, dass es Kursangebote für Einsteiger gäbe. So bekämen auch Menschen mit wenig Ahnung besseren Einblick in die faszinierende Technik alter Autos.

EINSTEIGER
TIPPS

GM / Deine fünf wichtigsten Tipps für Sammel-Einsteiger?

RAIMOND / Erstens nicht nur von Emotionen leiten lassen. Zweitens nicht alleine zur Besichtigung oder Probefahrt gehen. Wenn im Bekanntenkreis keiner helfen kann, einen Sachverständigen, zum Beispiel von der GTÜ beauftragen. Die Kosten dafür spart man sehr wahrscheinlich um ein Vielfaches im Nachgang. Drittens mit dem Wunschfahrzeug auseinandersetzen, Pro und Contra abwägen. Viertens mehrere Fahrzeuge des gleichen Typs anschauen. Fünftens das Wunschfahrzeug unbedingt erst mal fahren. Nicht selten kommt man mit einem bestimmten Fahrzeug gar nicht zurecht. Körpergröße ist oft ein Hindernis. In einer Corvette der ersten drei Serien könnte ich persönlich nur fahren, wenn ich die Sitze umbaue. Das gilt übrigens für viele alte Amis und auch Engländer.
GM / Was war Dein bester 'Move' bisher?

RAIMOND / Ich habe bisher zum Glück keine schlechte Kaufentscheidung getroffen. Ich bereue eher den einen oder anderen Verkauf in der Vergangenheit. Klar ist jedoch, dass mein Jaguar XK 120 das schönste und auch beste Auto ist, dass ich jemals hatte. Der Wagen wurde vor inzwischen 28 Jahren von einer weltweit renommierten Firma in England in einen 'As a new Car'-Zustand restauriert, ohne Blick auf die Kosten. Das merkt man heute noch. Der Wagen fährt wie ein Neuwagen und hat unglaubliche Fahrleistungen für ein 67 Jahre altes Fahrzeug.
GM / Wann und wo können wir mal eines Deiner Fahrzeuge bewundern?

RAIMOND / Am 14. Juli nehme ich mit meinem W111 Coupé die 'Franz Xaver Uhl Classic' im Fränkischen Seenland teil.

SHOW
TIME

 
 
Chris Weinland
 
06.2018