Zu Besuch
beim Häuptling von
Auernhofen:
Christian Stahl

#001 – Delicious

Christian Stahl, Jahrgang 78. Talentierter Rebellwinzer und autodidaktischer Küchenheld. Immer freundlich, großzügig, bereit. Macht sein Ding, ohne Kompromisse und trendautark. Christian folgt nur seinem Geschmack und seinem Credo: Wein ist nicht nur Kulturgut. Er muss auch Freude machen.

So entstehen Weine mit einer ganz besonderen, klaren Aromatik und angenehmer Mineralität. Weine mit deutlicher Handschrift, die viel Trinkfreude bereiten. Vor allem letzteres können wir aus jahrelangen Selbstversuchen attestieren. Und wer uns nicht glaubt, findet die Beweise in euphorischen Zeilen und Auszeichnungen von z.B. Fallstaff, Feinschmecker und der Süddeutschen Zeitung. Oder er fragt Stuart Pigott, den weltberühmten Deutschweinmissionar und engen Freund Stahl´s.
Nach Winzerlehre und Studium des Weinbauingenieurs sorgte Christian Stahl schon nach kurzer Aufwärmphase für Furore, nicht nur in der beschaulichen Homebase Auernhofen. Der Bekanntheit seiner Weine haben 'Rauschgift', 'Kalter Entzug' und 'U-Haft' natürlich nicht geschadet.

RAUSCH
GIFT

Der Nachfrage auch nicht. Der ursprünglich kleine, fränkische Winzerhof wuchs in nur sieben Jahren von zwei auf dreißig Hektar und gehört mittlerweile zu den Hotspots der deutschen Weinlandschaft. Unsere aktuellen Lieblinge heißen übrigens 'Nachschlag', 'Rosenrot' und 'Bodenstoff'. Frisch, trocken und begeisternd – also ganz Christian´s Naturell entsprechend. Anerkennend erwähnt sei an dieser Stelle auch Andreas Ehl, der Christian seit 2008 vertrieblich und kreativ unterstützt. Der sich selbst sehr sympathischerweise als 'Genussvermittler' bezeichnet. Und mit dem zusammen und unter anderen so tolle Weine wie der Zweimännerwein oder die Bodenstoff Scheurebe entstanden sind.
Seit einigen Jahren nun widmet sich Christian auch dem Kochen – mit erwartungsgemäß großem Talent und dementsprechendem Erfolg. Streng biologisch und micro-regional. Fränkisch-Cuisine, überraschend raffiniert kombiniert und auf höchstem kulinarischen Niveau. Müsse auch so sein, meint er. Schließlich stünden seine Weine auf den Karten der Spitzengastronomie. Sollte also zusammen passen, auch und erst recht auf dem eigenen Weingut. Diese Ambitionen teilte seine Mutter allerdings nicht (die bis dahin als Chefköchin fungierte).
Ein angestellter Spitzenkoch war anfangs nicht drin und so blieb ihm angesichts seines Anspruchs nichts anderes übrig, als sehr schnell zu lernen. Was ihm definitiv gelang.

MIKRO
REGIONALE
KÜCHE

Christian Stahl ist ein Tausendsassa und an tausend Orten gleichzeitig. Gestern Weinverköstigung für Alexander Herrmann, heute Neuweinpräsentation im Ritz Carlton, morgen Messe irgendwo. Zwischendrin Interviews oder ein Fotoshooting für die Weihnachtsschaufenster von Dallmayr in München. Oder – gerade eben noch – auf der Eckart-Verleihung in New York.
 
Und nicht zu vergessen: Weinberg, Keller, Restaurant. Sei es unserer langjährigen Freundschaft oder seiner 'Kein Problem'-Mentalität geschuldet – es grenzt schon rein zeitlich bedingt an ein Wunder, dass wir diesen sympathischen Star der Weinszene für ein kurzes Interview gewinnen konnten. Vor Ort, in Auernhofen am Ende der Welt.
GM / Wolltest Du schon immer Winzer werden? Also in die Fußstapfen Deines Vaters treten?

CHRISTIAN / Nein, eigentlich erst nach dem Abitur.

GM / Du besitzt momentan so 30 Hektar. Wieviel ist das in Flaschen und wieviele waren es, als Du angefangen hast?

CHRISTIAN / Das sind so eine Viertel Millionen Flaschen. Am Anfang waren es 15.000 Flaschen.

GM / Hui! Was möchtest Du noch erreichen?

CHRISTIAN / Auf allen wichtigen Märkten Präsenz zu zeigen. Und mit meinem Chardonnay bei internationalen Blindverkostungen gewinnen.

GM / Welche Deiner eigenen Weine trinkst DU am liebsten?
CHRISTIAN / Chardonnay, Sauvignon und Müller-Thurgau.

GM / Hast Du Lieblingsweine von anderen Winzern?

CHRISTIAN / Alles von Markus Schneider und Tattinger Comte Champagner von 2005.

GM / Welche zehn Restaurants oder Köche hättest Du gerne genannt, die Deine Weine führen?

CHRISTIAN / Da komme ich auf mehr als 50... kann ich mich nicht entscheiden.

GM / Du bist ja irgendwie Berufsalkoholiker. Im Ernst: Wann warst Du das letzte Mal betrunken?

CHRISTIAN / Du meinst so richtig betrunken wie ein 16-Jähriger? Mit 16. Aber im Ernst: Natürlich ist die Versuchung und auch die Schwelle für uns Winzer nochmal größer beziehungsweise niedriger. Aber das Bild des rotnäsigen, immer angetrunkenen Kellermeisters ist heute zum Glück nur noch selten State of the Art.
GM / Jeden Tag Sterneküche ist angeblich auch nichts. Was meinst Du dazu?

CHRISTIAN / Ach doch, warum nicht? Der Stern sagt ja eigentlich nur aus, dass besonders hohe Produktqualität von höchster Kompetenz verarbeitet und abgeschmeckt werden.

JEDEN
TAG
STERNEKÜCHE

Zumindest war so mal die Grundidee. Und das findet man mittlerweile in vielen neuen Restaurants, auch ohne Stern. Naturküche mal außen vor...

GM / Der Berufswunsch Winzer kam erst nach dem Abi. Was war Dein Wunsch als Kind?

CHRISTIAN / Ein Luftgewehr.

GM / Haha, witzig. Was war Dein bester 'Move' bisher?

CHRISTIAN / Simone zu heiraten und drei Kinder in die Welt zu setzen.
Ja, ihr liegt richtig in der Annahme, dass wir große Fans von Christian Stahl sind. Wer ihn kennen lernt, wird uns verstehen. Am besten geht das auf seinem wunderschönen Winzerhof in Auernhofen, welches ein wenig an das berühmte gallische Dorf erinnert, deren Bewohner die Römer auf Trab hielten. Mit Christian Stahl als Häuptling Majestix (und eigentlich auch Asterix und Miraculix). Wer seine Weine vorab downtown probieren möchte: check Weinbar Prinz 5. Christian wuppt mit seinem Team übrigens auch mal eben eine Hochzeitsfeier für 80 Personen.
Also scheut euch nicht, ihn mit euren Anfragen zu bombardieren. Außer, dass ihr – aufgrund hohem Interesses – eine gewisse Termingeduld mitbringen solltet, wird er euch sagen:

ÜBERHAUPT
KEIN
PROBLEM

 
 
Chris Weinland
 
06.2018